VA-06 und VA-05
1. Wie fühlt sich eine Psychose an?
Eine Psychose fühlt sich wie ein endloses Trauma an.
2. Kannst du das genauer beschreiben?
Es fühlt sich an, als würde ich träumen, obwohl ich wach bin.
3. Seit wann hast du diese Psychosen?
Mit 15 Jahren haben sie angefangen.
4. Wann hast du gemerkt, dass du Schizophrenie hast, und was war der Auslöser?
Mit 16 wurde es sehr schlimm. Der Auslöser waren Drogen.
6. Welche Drogen und wie genau?
Gras und Kokain.
7. Man hört oft, dass man verschiedene Persönlichkeiten hat, wenn man Schizophrenie hat. Was sagst du dazu?
Nicht ganz, deine Persönlichkeit ist gespalten.
8. Wie genau gespalten?
Du hast eine andere Wahrnehmung als ein gesunder Mensch.
9. Kannst du das genauer beschreiben?
Etwas passiert, ein Unfall, Unglück oder irgendetwas. Eine Person mit Schizophrenie kann in dieser Situation glücklich sein oder anders reagieren. Ein gesunder Mensch würde hingegen Angst oder Panik haben, aber jemand mit Schizophrenie reagiert anders.
10. Wie sehr beeinflusst es deinen Alltag?
Schon sehr. Es gibt viele Hindernisse, z. B. in den Spiegel schauen, morgens aufstehen oder sich anziehen. Aber es kommt auch darauf an, wie man damit umgeht.
11. Wieso in den Spiegel schauen?
Weil, wenn ein Mensch mit Schizophrenie in den Spiegel schaut, sieht er vieles anders und verzerrt. Es kann zum Beispiel sein, dass ein Auge verschwindet oder die Nase anders aussieht.
12. Also eine verfälschte Wahrnehmung?
Ja.
13. Wie ist es bei der Arbeit?
Es ist schon schwer. Wenn ich arbeite und jemand mich ruft, gibt es Situationen, in denen ich nichts höre. Ich bekomme nicht viel von der Aussenwelt mit, weil ich mich auf Halluzinationen und Geräusche konzentriere.
14. Was ist das Schwierigste daran, mit Schizophrenie zu leben?
Glücklich zu sein und es zu akzeptieren.
15. Kannst du das genauer beschreiben?
Man fühlt sich nicht normal und viele Menschen haben kein Verständnis. Man wird oft nicht akzeptiert und direkt als psychisch krank abgestempelt, obwohl man nichts dafür kann.
16. Wurdest du damals in der Schule ausgegrenzt?
Ja.
17. Wurdest du gemobbt?
Ja, man kann sagen, ich wurde gemobbt. Viele konnten das nicht akzeptieren und haben mich gehasst.
18. Wenn du deinem 16-jährigen Ich kurz vor der Überdosis etwas sagen könntest, was wäre das?
Dass er seine Ziele verfolgen und nicht aufgeben soll.
18. Bereust du, dass du Drogen genommen hast?
Ein Teil ja, ein Teil nein, weil heute viele kiffen und Alkohol trinken. Ich hätte es früher oder später sowieso ausprobiert. Lieber habe ich es in jungem Alter erlebt als mit 21 oder 30.
Das Interview zeigt, wie stark Schizophrenie den Alltag eines Betroffenen belasten kann. Besonders deutlich wird, dass auch Drogen eine wichtige Rolle beim Ausbruch der Krankheit gespielt haben. Ausserdem wird klar, wie wichtig Verständnis und Akzeptanz im Umgang mit Betroffenen sind.